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Erbe, Egos & Emotionen: Wie man Geschwisterkonflikte im Familienunternehmen vermeidet

  • aoffner
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 14 Stunden



Geschwisterrivalität ist normal. Sie beginnt im Kinderzimmer – und endet manchmal im Besprechungsraum. Solange es um Spielsachen geht, ist das harmlos, doch wenn Verantwortung, Geld, Führung und Zukunft eines Unternehmens dazukommen, wird aus der Konkurrenz unter Geschwistern schnell ein ernsthaftes Problem. Die daraus entstehenden Spannungen belasten nicht nur persönliche Beziehungen, sondern gefährden auch die Stabilität des Unternehmens.

In Familienunternehmen sind persönliche und berufliche Rollen eng miteinander verflochten. Konflikte am Arbeitsplatz bleiben nicht im Büro, sondern ziehen sich an den Mittagstisch, in Feiertage, Urlaube und private Momente hinein.

Mit den richtigen Strategien lässt sich die Geschwisterrivalität aber minimieren, sodass möglicherweise sowohl Unternehmen als auch Familienbande profitieren können. Können diese Strategien tiefgreifende Streitereien im Familienunternehmen lösen? Mitnichten. Aber sie können einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Konflikte überhaupt entstehen zu lassen oder ihnen präventiv entgegenzuwirken.

 

Das Problem anerkennen – Ansprechen, was zwischen einem liegt

Ja, es gibt Probleme! Ja, es gibt Konkurrenz und alte Muster! Aber: Wir schauen gemeinsam hin!

Der erste Schritt im Umgang mit Geschwisterrivalität besteht darin, sie überhaupt anzuerkennen. Viele Familien hoffen, berufliche Professionalität würde private Spannungen neutralisieren. Tut sie aber nicht. Das Ignorieren von Spannungen führt häufig zu noch mehr Groll und noch größeren Problemen.

Rivalität anzuerkennen bedeutet nicht, sie ausschließlich negativ zu bewerten. Ein gewisses Maß an Wettbewerb kann Innovation fördern und Leistungsbereitschaft steigern. Entscheidend ist, zwischen konstruktivem Wettbewerb und destruktivem Verhalten zu unterscheiden. Wird das Problem erkannt, können die Ursachen angegangen und Lösungen entwickelt werden. Aber wie?


1.     Rollen und Verantwortlichkeiten klar definieren

Unklare Zuständigkeiten sind Brandbeschleuniger von Konflikten. Wenn niemand genau weiß, wer entscheidet, wer führt oder wer wofür verantwortlich ist, entstehen automatisch Machtkämpfe. Eine formelle Organisationsstruktur ist also unerlässlich, schafft Sicherheit, nimmt Konflikten den Nährboden und gibt jedem die Möglichkeit, in seinem Bereich Verantwortung zu übernehmen.

 Definieren Sie also klar welches Geschwister welchen Bereich verantwortet, wer welche Entscheidungen trifft und wo die jeweiligen Rollen enden und andere beginnen.


2.     Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation

Unausgesprochene Erwartungen sind der schnellste Weg in die Eskalation. Kommunikation ist in jedem Unternehmen entscheidend – in Familienbetrieben jedoch besonders, da geschäftliche Entscheidungen eng mit persönlichen Gefühlen verknüpft sind.

 

Planen Sie fixe Gespräche ein. Nicht nur operative Meetings, sondern echte Austauschformate. Fragen, die sich Familien stellen können:

  • Was beschäftigt dich gerade wirklich?

  • Wo fühlst du dich übergangen?

  • Was brauchst du, um gut arbeiten zu können?

 

Und wenn Sie merken, dass Sie sich im Kreis drehen, holen Sie sich externe Berater als Moderatoren. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.


3.     Familie bleibt Familie

Eine der größten Herausforderungen in Familienunternehmen ist das Setzen klarer Grenzen. Vor allem bei Familien im Streit. Geschäftliche Themen schleichen sich leicht in familiäre Zusammenkünfte ein und können Spannungen verstärken.

Klare Regeln können Wunder wirken und helfen, persönliche Beziehungen zu schützen. Etwa, dass bei Familienfeiern nicht über Geschäftliches gesprochen wird. Die bewusste Trennung von Familien- und Geschäftszeit ermöglicht es Geschwistern auch Geschwister zu bleiben und nicht nur Geschäftspartner.


4.     Den Blick auf das große Ganze richten – was uns eint

Im Konflikt verliert man schnell den Blick aufs große Ganze. Es ist wichtig, sich immer wieder an die übergeordnete Mission zu erinnern. Das kann der Erhalt des Familienunternehmens sein, die Sicherung der Zukunft kommender Generationen oder der langfristige Vermögensaufbau. Setzen Sie sich als Unternehmerfamilie ein gemeinsames Ziel und feiern sie unternehmerische Erfolge zusammen. Das stärkt das Wir-Gefühl.

Wenn das „Wir“ wieder wichtiger wird als das „Ich“, verändert sich auch die Dynamik.


5.     Externe Manager einbinden

Nicht-familiäre Führungskräfte, Berater oder Manager können eine objektive Perspektive einbringen und emotionale Verzerrungen reduzieren. Nicht jede Führungsrolle muss familiär besetzt sein. Manchmal entspannt sich eine Situation sofort, wenn eine neutrale Person Verantwortung übernimmt.

Externe Führungskräfte oder Berater können Objektivität, Struktur und Klarheit in Entscheidungsprozesse bringen und gleichzeitig Druck aus dem Geschwistersystem nehmen.


6.     Nachfolge nicht erst im Krisenmodus klären

Die Unternehmensnachfolge ist häufig der sensibelste Auslöser für Geschwisterrivalität. Kaum ein Thema löst mehr Spannungen aus als die Frage: Wer übernimmt?

Ein klarer und transparenter Nachfolgeplan sollte frühzeitig entwickelt werden. Die Einbindung aller wichtigen Familienmitglieder schafft Vertrauen und reduziert Unsicherheit. Objektive Kriterien wie Qualifikation, Erfahrung und Unternehmensbedarf helfen, emotionale Konflikte zu minimieren.


7.     Jeder darf seinen eigenen Weg gehen

Rivalität entsteht oft aus Unsicherheit. Geschwister müssen nicht gleich sein, sie müssen sich nicht übertrumpfen, sondern sollen sich ergänzen dürfen! Wenn Geschwister ihre eigene persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellen, sinkt die Wahrscheinlichkeit destruktiver Konkurrenz. Die Förderung beruflicher Weiterbildung, Mentoring oder externer Berufserfahrung ermöglicht es jedem, seine eigenen Stärken auszubauen und einen einzigartigen Beitrag zum Unternehmen zu leisten, ganz egal, ob die Geschwister später dort operativ tätig sind oder nicht. Die Investition in persönliche Entwicklung stärkt nicht nur das Unternehmen, sondern auch die familiären Beziehungen, da Gefühle von Neid oder Unsicherheit reduziert werden.


Konflikte sind nicht gleich ein Zeichen von Scheitern

Geschwisterrivalität im Familienunternehmen bedeutet nicht, dass das Modell Familienunternehmen nicht funktioniert. Entscheidend ist, wie man als Unternehmerfamilie und als Familienunternehmen damit umgeht.

Mit Klarheit, Struktur und ehrlicher Kommunikation kann aus Konkurrenz auch echte Stärke werden. Und genau darin liegt die besondere Kraft von Familienunternehmen:Wenn Zusammenhalt und unternehmerische Exzellenz Hand in Hand gehen, entsteht etwas, das weit über wirtschaftlichen Erfolg hinausgeht – ein gemeinsames Vermächtnis.

 

Ich komme selbst aus einem Familienunternehmen, das seit 1755 von einer Generation an die nächste übergeben wird. In unserem Betrieb hat der Generationswechsel von meinen Eltern auf mich und meine drei Geschwister bereits erfolgreich stattgefunden. Ein Prozess, der sich über viele Jahre gezogen hat. Als Autorin schreibe ich seit 2012 Bücher für Familienunternehmen und bekomme tiefe Einblicke in Familien und ihre Betriebe. Zudem habe ich an der Coaching Akademie Berlin die Ausbildung zum systemischen Personal- und Businesscoach absolviert und mich dabei Lösungsansätzen beim Generationswechsel und der Nachfolge gewidmet. Seit dem begleite ich Familienunternehmer bei der Übergabe von einer Generation an die nächste.




 
 
 

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